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2005 – Einen Jux will er sich machen


2005 - Einen Jux will er sich machen

Posse mit Gesang in drei Akten (4 Aufzüge)
von Johann Nepomuk Nestroy

Die Personen und ihre Darsteller:

Herr von Zangler, Gewürzkrämer
Thomas Murg
Marie, dessen Nichte und Mündel Petra Kelz
Weinberl, Handlungsdiener Jörg Zazworka
Christopherl, Lehrjunge Gerhard Wonisch
Kraps, Hausknecht Esther Murg
Frau Ivanka, Wirtschafterin Ulrike Zazworka
Melchior, Hausknecht Walther Nagler
August Sonders Peter Gollner
Hausmeister Thomas Weinhappl
Madamme Knorr,
Modewaren-Händlerin
Klaudia Gollner
Frau von Fischer, Witwe Esther Murg
Frl. von Blumenblatt,
Zanglers Schwägerin
Ulrike Zazworka
Brunninger, Kaufmann Peter Gollner
Philippine, Lisette,
Putzmacherin, Stubenmädchen
Alice Bolterauer
Kutscher, Wachter Thomas Weinhappl
Rab, Gauner Alice Bolterauer
Kellner Thomas Weinhappl
Klavier Thomas Murg
Technik Ruth Bolterauer
Bühne und Gesamtleitung Alice Bolterauer
Co-Regie Ulrike Zazworka
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Wir danken
Requisiten Brau Union Österreich

Zum Author

Johann Nepomuk Nestroy geb. 7. Dezember 1801 Wien, gest. 25. Mai 1862 Graz
Johann Nestroy wird am 7. Dezember 1801 in Wien als Sohn eines Hof- und Gerichtsadvokaten geboren, beginnt Jus zu studieren, wechselt aber bald zum Gesangsstudium über. 1822 feiert er sein erfolgreiches Debüt als „Sarastro“ in Mozarts „Zauberflöte“ am k.k. Hoftheater in Wien, geht dann an das Deutsche Theater in Amsterdam, wo er bis 1825 bleibt. Nach Aufenthalten in Brünn, Graz und Preßburg, wo er zunehmend Sprecherrollen übernimmt, wird Nestroy 1831 vom berühmten Wiener Theaterdirektor Carl Carl ans Wiener Theater an der Wien geholt, wo er in den nächsten Jahrzehnten eine Reihe von Zauber- und Feenmärchen und Lokalpossen (zumeist Bearbeitungen von Boulevardstücken aus dem Englischen oder Französischen) entwirft, bevor er 1854 selbst die Leitung des inzwischen umbenannten Carl-Theaters übernimmt. 1859 kauft Nestroy ein Stadthaus in Graz (in der Elisabethstraße), wohin er sich 1860 auch zurückzieht. Am 25. Mai 1862 stirbt Nestroy in Graz.

Zum Werk

Einen Jux will er sich machen
„Die sagt immer: ‚Es schickt sich nicht‘, geht aber doch wieder in die Laube, das ist klassisch!“ (Melchior)
Posse mit Gesang in drei Akten (4 Aufzüge) Erstaufführung 10. März 1842, Theater an der Wien
„Am 10. März 1842 wurde die Posse Einen Jux will er sich machen zum ersten Male im Theater an der Wien dargestellt. Es wurde einer von Nestroys nachhaltigen Erfolgen, und auch heute noch zählt die Komödie zum Kronschatz des heiteren Theaters, unverwelkt in ihren Reizen, unverwüstlich in ihrer elementaren Bühnenwirkung.“ (Wilhelm Zentner)

Nestroy gelingt – hier im „jux“ wie in den anderen seiner besten Komödien und Lustspiele – etwas, was an sich sehr leicht und oberflächlich scheinen mag, tatsächlich aber sehr schwer zu erreichen ist: die Zusammenführung von aktuellem Stoff und populärer Gattung (Posse) mit einem Anspruch auf Intellektualität, dessen bevorzugtes Mittel die Sprache ist. Nestroy sei der erste österreichische Autor, bei dem sich die Sprache Gedanken über sich selbst mache, hat Karl Kraus in seinem berühmten Aufsatz über Johann Nestroy nicht zu Unrecht gesagt. Die Sprache wird – auch das hat bereits Karl Kraus beobachtet – in den Nestroy-Stücken „beim Wort“ genommen. Nicht nur, wenn Weinberl über die Divergenz der „Handlung“ als Verkaufshandlung oder aber als menschliche Handlung räsonniert, sondern auch, wenn Zangler und Melchior über das Wort „klassisch“ debattieren oder wenn – im Couplet – über Recht und Unrecht von Sprichwörtern reflektiert wird. „Die sagt immer: ‚Es schickt sich nicht‘, geht aber doch wieder in die Laube, das ist klassisch!“ (Melchior)

Die Behandlung der Sprache ist die eine Seite von Nestroys Virtuosität, der genaue Blick auf Mensch und Gesellschaft seiner Zeit die andere. Nestroy porträtiert eine Zeit im Umbruch, eine Zeit in der die Armen immer ärmer und die Reichen immer Reicher werden. Der Gewürzhandel floriert und die einzige Sorge des Gewürzkrämers ist die Wahrung des Besitzstandes: „Reichlich beitragen is hier das unbestimmteste Zahlwort, was es gibt, und in unbestimmten Zahlen schließ´ich kein Geschäft“ (Zangler), während vazierende Hausknechte ohne jede Absicherung immer mehr herabkommen und quasi auf Gedeih und Verderb den jeweiligen Arbeitgebern ausgeliefert sind. Es ist eine nüchterne, gewinn- und erfolgsorientierte Zeit, die Nestroy hier zeichnet, ohne politische Visionen oder Hoffnung, allein der Materialität der Jetztzeit verpflichtet.

Dazu ein Wort zum Titel.Denn wenn es auffällt, dass Weinberl sich gerade einen „Jux“ machen möchte, nicht aber einen „Spaß“, ein „Vergnügen“ oder ein „Abenteuer“, dann wohl auch deswegen, weil im „Jux“ bzw. im damit zusammenhängenden Zeitwort „etwas verjuxen“ der Aspekt des Geldes immer schon mitschwingt. Das Geld bildet so etwas wie einen geheimen Schwerpunkt des Stücks, an ihm entzünden sich die story, an ihm kommt sie zu ihrem happy end – „[…] hab´ich es gewagt, mich in diese reizende Witwe zu verlieben, und jetzt als Associé wag´ich es, ihr Herz und Hand zu Füßen zu legen.“ (Weinberl) Natürlcih ist es möglich, etliche Anknüpfungspunkte für eine Aktualisierung des Nestroy-Stücks „Einen Jux will er sich machen“ zu finden: Erfolgsdruck in der Arbeitswelt, die Monotonie des workaholics, die midlife-crisis des etablierten Mannes, das Sich-ausleben-Wollen in der Anonymität der Großstadt, die drohende Krida usw. Aber in eben dem einen Punkt der Wichtigkeit des Geldes ist keine Aktualisierung nötig. Lenken wir unseren Blick auf die alles beherrschende Maxime des Geld-Habens und Geld-Machens, dann finden wir uns – auch ohne jede Transformation in die Lebensumstände gut 150 Jahre später – mitten im „Jux“ plötzlich im Hier und Jetzt. Das Geld bildet die eigentliche Richtschnur menschlichen Handelns, der gegenüber alles andere – insbesondere Gefühle und Ideale – sekundär bleiben. Das ist ebenso modern gedacht wie uralt. Die Umstände ändern sich, die Menschen nicht.

Verpackt ist dieser illusionslose Blick auf menschliche Beziehungen in ein technisch perfektes Lustspielschema, in klassischer Manier mit vier Akten, mit eingebauter Musik, mit Verkleidungen, Verwechslungen und Missverständnissen – all jenen Kunstgriffen mithin, die seit Jahrhunderten zum bewährten Repertoire des Lustspieltheaters gehören und Unterhaltung gelingen lassen.

Texte von Alice Bolterauer