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Sind Puppen die besseren Schauspieler?

Wenn man sich das „Das Missverständnis“ (Albert Camus) unter der Regie von Nikolaus Habjan am Schauspielhaus Graz ansieht, kann man diesen Eindruck gewinnen.
Wem der Inhalt nicht zu harte Kost ist, sollte sich dies passend zu Halloween und Allerheiligen/Allerseelen nicht entgehen lassen. Im Ernst, das Spiel mit den Puppen, deren Symbolkraft verschiedene Interpretationen zulässt, ist kräftig, eindeutig, einfühlsam, hypnotisch, beängstigend und rührend zugleich. Die bis auf die Münder regungslosen Gesichter der Puppen wirken überzeugend lebendig; es bedarf keiner weiteren Regungen bis auf Stimme und Bewegung. Das scheinbar starre Puppenkorsett reicht nicht nur aus, die Geschichte konzentriert zu erzählen, es fördert geradezu die Wirkungskraft der in den Hintergrund tretenden Schauspielenden.

Selbige können optisch zwar nie wirklich gut ausgeblendet werden, dafür aber stimmlich umso besser. Dies wird dramatisch bewusst, wenn die Figuren in einen Dialog mit ihrem Inneren verfallen; sehr raffiniert umgesetzt. Wie gleich die ganze Inszenierung intelligent und behutsam umgesetzt ist, angefangen von einer an große Filme erinnernden musikalischen Untermalung, dem klaren Bühnenbild eines schräg kippenden Hotelaußen- und innenlebens ebenso wie die Tatsache, dass alle fünf Figuren im Stück von den drei Darstellenden gespielt werden. Eine Herausforderung, die gelingt.

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